Wir haben es hier mit dem Versuch zu tun, eine sehr alte, historisch
aus Stichen und sehr alten Bildern belegte,
längerhaarige Varietät
eines kleinen Windhundes wieder zu züchten. Der heutige
Kurzhaar-Whippet bekam seinen Namen mit der Konsolidierung und
Anerkennung der Rasse 1891 in England. Und jeder kennt
die sehr publikumswirksame Geschichte über die Bergleute. Fakt ist
jedoch, kleinwüchsige Windhunde, die unserem heutigen Whippet aufs
Haar gleichen, gab es immer schon und eben auch eine Varietät mit
deutlich etwas längeren Haaren an Hals, Rute und der Hinterseite der
Beine.
Auf den Photos der ersten eingetragenen Whippets und der ersten
Importe nach Deutschland ist dieser Langhaaransatz noch ganz deutlich
zu sehen. Ich verweise z.B. auf ÖCH Mickey Little Grinder, * 1908,
importiert 1910 aus Oldham, Lancashire, UK, DZB Nr. 58, dessen Rute
regelrecht
buschig war. Oder auf die frühen deutschen Einzelberg-Whippets, auf
manche Hallerhütte- Whippets etc, die Liste ließe sich beliebig
fortführen. Die Langhaarveranlagung hat sich ja auch hartnäckig in
einigen Zuchtlinien bis heute gehalten, auch wenn es Züchter und
Besitzer
gibt,
die behaupten, dass sie ihren Whippets nie vor Ausstellungen die zu
langen Haare an Schwanz und Hosen kürzen müssen - es ist keine
Schande.
Heute ist nicht mehr zu verfolgen, woher das lange Haar kommt. Dass
jedoch die aus England importierte Hündin CH Hillgarth Shot Silk
(*1955 by UKCH Seagift Speedlight Mustang [UKCH Pilot Officer Prune x
Seagift Simplicity] x Hillgarth Silver Suntan [Hillgarth Shah x
Hillgarth Silvershadow] eine deutliche Veranlagung zu einer kräftigen
Rutenbehaarung und zu regelrechten Hosen hatte, ist an Hand der Photos
nachweisbar. Es gab mehrere Hillgarth-Whippets mit dieser Veranlagung.
Und Shot Silk ist die Urmutter aller langhaarigen Varietäten und lebte
in Walter Wheelers "Windsprite" Zwinger, der mit der Zucht der
Whippets nach dem 2. Weltk
rieg
begann. WW hatte auch Barsois (u.a. einen Rüde aus dem Kostenov -
Kennel), hat aber selbst immer energisch bestritten, dass die Barsois
etwas mit seinen langhaarigen "Whippets" zu tun haben, sie zeigen ja
auch keine
barsoiähnlichen
Köpfe. Dann wurde ihm das Einkreuzen von Spaniels unterstellt, die er
nie, später die Einkreuzung von Shelties, die er in den 40er Jahren,
also viel früher, sehr wohl gezüchtet hatte.
Wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte - er selbst hat dies nie
behauptet - dass andere Rassen am Zustandekommen seiner Silken
Windsprites tatsächlich beteiligt waren, er sagte immer, dass er die "Langhaarwhippets"
nur aus kurzhaarigen mit Langhaarveranlagung herausgezüchtet hätte.
Sein Fehler war, dass er das ganze sehr naiv und leider ohne vorherige
Absprache mit dem AKC gemacht hatte. Seine Naivität zusammen mit
seinen eher unglücklichen Verteidigungsversuchen, die teilweise auch
recht angriffig waren, hatten seinen Gegnern ausreichend Nahrung für
Diffamierungen geliefert. Dies ging so weit, dass sogar seinen absolut
reinrassigen Kurzhaar - Whippets nachträglich Championatstitel
aberkannt wurden, was wiederum Wheeler noch sturer machte und ihn
weiter in seine Isolation trieb. Aber schon damals hatten sich echte
Freunde
gefunden,
die mit langhaarigen Stammhunden von ihm weiterzüchteten und so sein
kynologisches Erbe für uns erhielten.
Die Silken Windsprites sind laut Standard und in ihrem Aussehen den
Whippets zwar ähnlich, aber eben mit einer Langhaar-Fellveranlagung
und einigen anderen markanten Abweichungen, ihr Genpol wurde bewusst
offen gehalten, damit man immer noch (selbstverständlich unter
strengster Kontrolle) mit Kurzhaarwhippets mit längerer
Fellveranlagung die über Jahrzehnte geübte Inzestzucht etwas
ausgleichen kann, obwohl die Rasse äußerst gesund und robust ist und
bisher keinerlei Inzest-Erscheinungen oder gar Krankheiten zeigte.
Silken Windsprites wurden seit 1958, also seit über 46 Jahren,
anfänglich natürlich mit reinen Inzest- und Inzuchtlinien
unter sparsamen Einkreuzungen von Whippets mit längerer
Fellveranlagung und ab 1990 von den Zwingern "Claybrook" (Michelle
Henninger) "Tova's" (Jean McKenzie) systematisch und seriös
weitergezüchtet. Die Würfe sind seit Jahren einheitlich in der
Fellveranlagung und ohne "Ausreißer". Es gibt in
Amerika zwei Klubs
mit zahllosen Mitgliedern und Förderern, doch der AKC verharrt immer
noch in seiner geradezu aggressiven Ablehnung.
Inzwischen gibt es in Europa einen Grundstock von 33 sehr schönen
Hunden. Alle diese Hunde entsprechen dem gleichen einheitlichen Typ
und sind für ein Zuchtprogramm ideal geeignet.
Der Silken Windsprite mit seiner whippetähnlichen Anatomie vereint den
freundlichen Charakter und andere Vorzüge der Whippets mit der
Robustheit einer Langhaarrasse und stellt so eine echte Bereicherung
der Windhundszene dar.
aktualisiert: 7/2004